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ZweitSinn in geschäftlicher Beziehung zu Burberry?

Geschrieben von Werner Baumann am 19 November, 2009

Eine kurze Story:
1856 gründet Thomas Burberry in Basingstoke, irgendwo in Hampshire, England einen kleinen Laden. 1920 patentierte die Firma das typische Burberry-Muster. Mäntel, nette Kinderkleidchen, Taschen, Stiefel, Mützen, Schals, Parfüm-Verpackungen, iPod-Taschen, Ziffernblätter von Uhren und selbst Unterhosen sind vor dem Muster nicht sicher.
Und jetzt – Sie werden es nicht glauben – hat Burberry ZweitSinn entdeckt.
Und das kam so:
Wir hatten eine Produktpräsentation bei der CPD 2009, der internationalen Messe für Womenswear und Accessoires in Düsseldorf, auf einem Stand der Fa. moysig, Herford. Das Unternehmen richtet Ladenlokale ein und ist hiermit europaweit sehr erfolgreich. Bei der CPD prääsentierte das Unternehmen neue Konzepte zum nachhaltigen Design – sehr innovativ für die eher konservative Branche. Wir hatten dort mit unserem Partner der Recyclingbörse Herford u.a. das Regal Frank und einen Pixelsessel ausgestellt.

Ein Pixelsessel - garantiert Burberry-frei!

Ein Pixelsessel - garantiert Burberry-frei!

Und jetzt kommt`s: einer der Pixel des Pixelsessels war mit einem Stoff mit Burberry-Muster bezogen. Zugegeben die Affinität von ZweitSinn zu Burberry ist eher gering und die MitarbeiterInnen, die die Pixelbezüge genäht hatten, haben garantiert noch nie vom Edeltuchhersteller gehört, geschweige denn waren sie jemals im Besitz eines Gewebes der Edelmarke. Im Altkleidersack fanden sie ein interessantes Karomuster, der Stoff wurde gewaschen, zerschnitten und zum Pixel verarbeitet. Ein schöner Kontrast zu den anderen einfarbigen oder mit Aufdrucken versehenen Pixeln des Sessels. 28 Pixel hat so ein Sessel und einer davon war aus der Altkleidersammlung mit einem Burberry-Stoff bestückt.
Es ist ja sehr verständlich, dass ein solches Edel-Marken-Unternehmen sehr darauf achten muss, dass keine billigen Produktkopien in den Markt kommen. Deshalb beschäftigt Burberry eine ganze Schar von Kontrolleuren. Die besuchen Messen, Ausstellungen und Läden und suchen illegale Kopien.
So begab es sich, dass ein Mitarbeiter des Unternehmens auf den ZweitSinn-Pixelsessel stieß, das Muster auf einem von 28 Pixeln erkannte, einige Fotos machte und uns eine Strafzahlung über 3.000 Euro zukommen ließ. Mehrere Anwälte der Recyclingbörse und von ZweitSinn befassten sich mit dem Fall. Ich habe vehement für die Zahlungsverweigerung und die Information aller namhaften Medien plädiert, um daraus eine einzigartige Werbekampagne für ZweitSinn zu machen. Alle Anwälte waren zwar der Meinung, dass Burberry nicht recht hat, aber der Rechtsstreit würde sich über Jahre hinziehen und viel Geld kosten (was wir irgendwann vielleicht wieder zurück bekommen, aber das kann dauern). Burberry ist ein mächtiges Unternehmen, das beliebig viel Geld in die Auseinandersetzung stecken kann – deshalb haben die Anwälte abgeraten und sich mit Burberry schließlich auf die Zahlung von 600 Euro geeinigt.
Soviel zu unserem Rechtssystem. Wehe wer mutmaßt, dass der mehr Rechte hat, der mehr Geld hat!
Nochmal zur Klarstellung:
• Wir stellen keine Stoffe her.
• Wir benutzen ausschließlich Gebrauchttextilien aus der Altkleidersammlung
• Wir recyceln und säubern die Stoffe und verwenden sie dann erneut
Das Fazit: Wenn Sie unglücklicher Besitzer eines alten Burberry-Zwirns sein sollten, seien Sie ganz vorsichtig damit, wenn Sie beschließen, dass dessen Nutzungszeit sich dem Ende zuneigen sollte! (Das Unternehmen hat dies nicht vorgesehen!). Sollten Sie daraus z.B. einen Bezug für Ihren Zwergpudel basteln wollen, machen Sie das. Werfen sie ihn (den Zwirn nicht den Pudel!) niemals in die Altkleidertonne, dem Recyclingunternehmen drohen Zwangsgelder nicht unter einigen Tausend Euro. Burberry-Produkte sollten Sie grundsätzlich in die schwarze Tonne geben, es besteht die Hoffnung, dass das Tuch final verbrannt wird. Unsere MitarbeiterInnen haben wir nach den Erfahrungen eingehend geschult. Sobald ein Burberry-Muster oder auch nur ein ähnliches Karo auftaucht, durchzieht die Sortierabteilung des Altkleiderrecyclings eine eisige Kälte, die Arbeit ruht kurzzeitig und mindestens zwei Mitarbeiter leiten, im Rahmen eines Zeugenprogramms, gemeinsam die sofortige Vernichtung des Karogewebes ein. Näheres wollen wir hier nicht mitteilen, denn noch ist unser Beseitigungsverfahren für Burberry- oder burberryähnliche Stoffe (BBbS) nicht besonders umweltfreundlich. Alternativen z.B. zur Kompostierung laufen. Wir denken über die Produktion von Burberry-Kompost nach (aber wahrscheinlich werden wir ihn vorsichtshalber unter dem Kürzel „Burbcom“ auf den Markt werfen).
Wir sind etwas ratlos, denn wenn Levis Strauß, h&m oder Kik sich zu Ähnlichem entschließen sollten, können wir das Textilrecycling langsam einstellen. Alles hat natürlich sein Gutes: wenn das passiert, steigt das Angebot kostengünstigen Kompostes sprunghaft an. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Rosen ein Karomuster annehmen – und vor allem: fangen Sie bloß nicht damit an, die Blümchen zu züchten!

Werner Baumann
(In der Hoffnung, dass die Erwähnung von Name und Stoff des Karoproduzenten in diesem Artikel nicht zu einer erneuten Abmahnung führen möge. Deshalb haben wir den Namen vorsichtshalber aus Wikipedia kopiert und würden das Nachschlagewerk dafür als Quelle angeben, 28.10.2009. Natürlich riskieren wir hier nichts und zeigen das Muster nicht – stellen Sie sich unterschiedlich breite Längs- und Querlinien vor, die sich im 90°-Winkel kreuzen)

2 Antworten zu “ZweitSinn in geschäftlicher Beziehung zu Burberry?”

  1. Dirk sagte

    Schön auch mal Hintergründe zu erfahren .

  2. Lieber Werner Baumann,liebes Zweitsinn-Team,

    da bin ich doch halb zufällig auf diesen wahrlich unterhaltsamen, informativen und nachhaltigen Blog-Eintrag gestoßen! Danke dafür.

    Einige meiner Curriculum-Kunden sind auch Patentanwälte und Produktpiraterie ist immer ein großes Thema gerade auch für Designer. Da ich auch Moderatorin der XING-Gruppe Möbel mit Berufserfahrung bin würde ich gerne in meinen nächsten Newsletter diese “Kurze Story” gerne zitieren.

    Link zu der XING-Gruppe: https://www.xing.com/net/gebrauchtmoebel/

    Möbelhafte Grüße und ich habe gerade auch auf den Verteiler für weitere Beiträge gesetzt
    Christine Müller

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