ZweitSinn Blog

ZweitSinn fängt da an, wo andere Möbel aufhören!

Wir sind Doku-Soap!

Posted by Werner Baumann - 6 April, 2010

Oliver Schübbe, ZweitSinn-Designer z.B. des Regal Frank, hat mit weiteren Helfern ein ehemaliges Bordell in der Innenstadt von Köln zu einem „Schrott Hotel“ mit komplett wiederverwendeten Rohstoffen in der Inneneinrichtung umgestaltet. 500 m weg vom Dom werden Sie (wahrscheinlich) künftig im Schrott übernachten können (ohne Rotlichtanbindung!).

Was da rumliegt ist kein Müll! Rohstoff für cleveres Recycling-Design. (Foto: Köln-Nachrichten)

Die sechsteilige Dokuserie “Das Schrott-Hotel” war ab 20. April 2010, jeweils dienstags um 19.30 Uhr, in ZDFneo zu sehen. Falls Sie das verpasst haben, finden Sie hier alle Sendungen zum nachholen. Die Sendung zeigt, wie das Hotel eingerichtet wurde. Dafür standen maximal 5.000 Euro zur Verfügung. Die Moderatorin Enie van de Meiklokjes, das Model Monica Ivancan (besser bekannt als Freundin von Oliver Pocher) und der Comedian Knacki Deuser werden Ambiente und Einrichtung des „Schrott-Hotel“ testen und bewerten.

Herstellung von Einrichtungsgegenständen im Schrott-Hotel mit Oliver Schübbe (Foto: ZDF / Frank W. Hempel)

Wenn Sie also medientechnisch entsprechend aufgerüstet sind, sollten Sie sich für die Dienstage der nächsten zwei Monate ab 19.30 Uhr nichts vornehmen und „Schrott-Hotel“ schauen.

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Workshop zu Recycling-Design in Gent, Belgien

Posted by Werner Baumann - 15 März, 2010

Am Zusammenfluss von Leie und Schelde liegt mit Gent die zweitgrößte belgische Hafenstadt, die im 7. Jahrhundert nahe der St. Baafs-Abtei entstand. Ihre mittelalterliche Blütezeit verdankte die Geburtsstadt des habsburgischen Kaisers Karl V. dem schwunghaften Tuchhandel. Die Geschichte des 15./16. Jahrhunderts war vom Freiheitskampf der Weber, Walker und Handwerker geprägt. Die Flachs- und Textilindustrie des 18./19.Jahrhunderts bedeutete auch das Wachsen der Arbeiterbewegung und des Genossenschaftswesens, deren Geschichte im Archiv und Museum der Sozialistischen Arbeiterbewegung und im Museum für Industriearchäologie bewahrt wird.

In dieser wunderschönen Stadt hat man die Chancen von ZweitSinn erkannt und will kooperieren bzw. ein ähnliches System aufbauen. Am 17./18.03.2010 findet in Gent ein Workshop statt, in dessen Verlauf wir die Arbeiten von ZweitSinn darstellen und diskutieren werden.

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ZweitSinn – Ideen zu Möbelmüll auf der imm2010!

Posted by Werner Baumann - 20 Januar, 2010

Vom 19. bis 24. Januar 2010 auf der weltgrößten Möbelmesse, der IMM Cologne, auf dem Stand der TU Dortmund neue Recycling-Ideen.

Gegenstand der diesjährigen Designentwürfe sind Leisten aus ausgemusterten Lattenrosten – ein Sekundärrohstoff, der die Umsetzung überraschender und pfiffiger Designideen erlaubt – und die Abfallmengen reduziert. Jedes Jahr werden mehrere 100.000 Lattenroste produziert. Ein Großteil davon ersetzt gebrauchte Lattenroste, die in der Regel entsorgt und der Müllverbrennung zugeführt werden. Die „Latte“ besteht in der Regel aus Buchenholz, ist trocken, formbar und schadstoffarm und damit ein wunderbarer Rohstoff für nachhaltige Möbelprodukte.

Der Tisch "Mikado" (Designer: Fabian Achterberg) und die Stühle "Schaukelemma" (Designer Thomas Herzog)

Der Tisch "Mikado" (Designer: Fabian Achterberg) und die Stühle "Schaukelemma" (Designer: Thomas Herzog)

Kompetente Besucher auf dem ZweitSinn-Stand

Stand der TU-Dortmund mit ZweitSinn-Exponaten auf der imm 2010

Stand der TU-Dortmund mit ZweitSinn-Exponaten auf der imm 2010

Das ZweitSinn-Netzwerk präsentiert neue Möbel aus diesem Sekundärrohstoff im Sinne eines nachhaltigen oder „green“ Designs. Die bei ZweitSinn verwendeten Materialien werden hinsichtlich Ihrer Einsatzbereiche in funktionaler und ökologischer Hinsicht bewertet und in einer Positivliste von Aufarbeitungsprodukten zusammengefasst, die strengen ökologischen und funktionalen Kriterien genügen. Der Reiz der Aufgabe liegt darin, Materialien konsequent wieder und weiter zu verwenden, die definitiv nicht mehr in einen stofflichen Recyclingprozess einfließen. Der Abfall verliert seinen Müllcharakter und wird zum Rohstoff.
ZweitSinn nutzt konsequent die Vorteile preisgünstiger Rohmaterialien. In diesem Netzwerk, in das Designer, Designstudierende und Schüler über Wettbewerbe ihre Ideen einbringen, werden Möbel in Kleinserien konzipiert und hergestellt. Das ZweitSinn-Netzwerk kooperiert seit einigen Jahren erfolgreich mit dem RecyclingDesignpreis. Die diesjährige imm-Präsentation umfasst mit dem Tisch „Mikado“ auch den Entwurf eines Preisträgers dieses Wettbewerbs.

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ZweitSinn in geschäftlicher Beziehung zu Burberry?

Posted by Werner Baumann - 19 November, 2009

Eine kurze Story:
1856 gründet Thomas Burberry in Basingstoke, irgendwo in Hampshire, England einen kleinen Laden. 1920 patentierte die Firma das typische Burberry-Muster. Mäntel, nette Kinderkleidchen, Taschen, Stiefel, Mützen, Schals, Parfüm-Verpackungen, iPod-Taschen, Ziffernblätter von Uhren und selbst Unterhosen sind vor dem Muster nicht sicher.
Und jetzt – Sie werden es nicht glauben – hat Burberry ZweitSinn entdeckt.
Und das kam so:
Wir hatten eine Produktpräsentation bei der CPD 2009, der internationalen Messe für Womenswear und Accessoires in Düsseldorf, auf einem Stand der Fa. moysig, Herford. Das Unternehmen richtet Ladenlokale ein und ist hiermit europaweit sehr erfolgreich. Bei der CPD prääsentierte das Unternehmen neue Konzepte zum nachhaltigen Design – sehr innovativ für die eher konservative Branche. Wir hatten dort mit unserem Partner der Recyclingbörse Herford u.a. das Regal Frank und einen Pixelsessel ausgestellt.

Ein Pixelsessel - garantiert Burberry-frei!

Ein Pixelsessel - garantiert Burberry-frei!

Und jetzt kommt`s: einer der Pixel des Pixelsessels war mit einem Stoff mit Burberry-Muster bezogen. Zugegeben die Affinität von ZweitSinn zu Burberry ist eher gering und die MitarbeiterInnen, die die Pixelbezüge genäht hatten, haben garantiert noch nie vom Edeltuchhersteller gehört, geschweige denn waren sie jemals im Besitz eines Gewebes der Edelmarke. Im Altkleidersack fanden sie ein interessantes Karomuster, der Stoff wurde gewaschen, zerschnitten und zum Pixel verarbeitet. Ein schöner Kontrast zu den anderen einfarbigen oder mit Aufdrucken versehenen Pixeln des Sessels. 28 Pixel hat so ein Sessel und einer davon war aus der Altkleidersammlung mit einem Burberry-Stoff bestückt.
Es ist ja sehr verständlich, dass ein solches Edel-Marken-Unternehmen sehr darauf achten muss, dass keine billigen Produktkopien in den Markt kommen. Deshalb beschäftigt Burberry eine ganze Schar von Kontrolleuren. Die besuchen Messen, Ausstellungen und Läden und suchen illegale Kopien.
So begab es sich, dass ein Mitarbeiter des Unternehmens auf den ZweitSinn-Pixelsessel stieß, das Muster auf einem von 28 Pixeln erkannte, einige Fotos machte und uns eine Strafzahlung über 3.000 Euro zukommen ließ. Mehrere Anwälte der Recyclingbörse und von ZweitSinn befassten sich mit dem Fall. Ich habe vehement für die Zahlungsverweigerung und die Information aller namhaften Medien plädiert, um daraus eine einzigartige Werbekampagne für ZweitSinn zu machen. Alle Anwälte waren zwar der Meinung, dass Burberry nicht recht hat, aber der Rechtsstreit würde sich über Jahre hinziehen und viel Geld kosten (was wir irgendwann vielleicht wieder zurück bekommen, aber das kann dauern). Burberry ist ein mächtiges Unternehmen, das beliebig viel Geld in die Auseinandersetzung stecken kann – deshalb haben die Anwälte abgeraten und sich mit Burberry schließlich auf die Zahlung von 600 Euro geeinigt.
Soviel zu unserem Rechtssystem. Wehe wer mutmaßt, dass der mehr Rechte hat, der mehr Geld hat!
Nochmal zur Klarstellung:
• Wir stellen keine Stoffe her.
• Wir benutzen ausschließlich Gebrauchttextilien aus der Altkleidersammlung
• Wir recyceln und säubern die Stoffe und verwenden sie dann erneut
Das Fazit: Wenn Sie unglücklicher Besitzer eines alten Burberry-Zwirns sein sollten, seien Sie ganz vorsichtig damit, wenn Sie beschließen, dass dessen Nutzungszeit sich dem Ende zuneigen sollte! (Das Unternehmen hat dies nicht vorgesehen!). Sollten Sie daraus z.B. einen Bezug für Ihren Zwergpudel basteln wollen, machen Sie das. Werfen sie ihn (den Zwirn nicht den Pudel!) niemals in die Altkleidertonne, dem Recyclingunternehmen drohen Zwangsgelder nicht unter einigen Tausend Euro. Burberry-Produkte sollten Sie grundsätzlich in die schwarze Tonne geben, es besteht die Hoffnung, dass das Tuch final verbrannt wird. Unsere MitarbeiterInnen haben wir nach den Erfahrungen eingehend geschult. Sobald ein Burberry-Muster oder auch nur ein ähnliches Karo auftaucht, durchzieht die Sortierabteilung des Altkleiderrecyclings eine eisige Kälte, die Arbeit ruht kurzzeitig und mindestens zwei Mitarbeiter leiten, im Rahmen eines Zeugenprogramms, gemeinsam die sofortige Vernichtung des Karogewebes ein. Näheres wollen wir hier nicht mitteilen, denn noch ist unser Beseitigungsverfahren für Burberry- oder burberryähnliche Stoffe (BBbS) nicht besonders umweltfreundlich. Alternativen z.B. zur Kompostierung laufen. Wir denken über die Produktion von Burberry-Kompost nach (aber wahrscheinlich werden wir ihn vorsichtshalber unter dem Kürzel „Burbcom“ auf den Markt werfen).
Wir sind etwas ratlos, denn wenn Levis Strauß, h&m oder Kik sich zu Ähnlichem entschließen sollten, können wir das Textilrecycling langsam einstellen. Alles hat natürlich sein Gutes: wenn das passiert, steigt das Angebot kostengünstigen Kompostes sprunghaft an. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Rosen ein Karomuster annehmen – und vor allem: fangen Sie bloß nicht damit an, die Blümchen zu züchten!

Werner Baumann
(In der Hoffnung, dass die Erwähnung von Name und Stoff des Karoproduzenten in diesem Artikel nicht zu einer erneuten Abmahnung führen möge. Deshalb haben wir den Namen vorsichtshalber aus Wikipedia kopiert und würden das Nachschlagewerk dafür als Quelle angeben, 28.10.2009. Natürlich riskieren wir hier nichts und zeigen das Muster nicht – stellen Sie sich unterschiedlich breite Längs- und Querlinien vor, die sich im 90°-Winkel kreuzen)

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Entsorga-Entego 2009 – ein Messetag

Posted by Werner Baumann - 29 Oktober, 2009

Der Stand der DBU auf der Ensorga 2009, Köln

Auf dem Stand der DBU präsentierten sich sechs Projekte

Entsorga8

v.l.: Ute Dechantsreiter, Bauteilnetz Deutschland, Ulf Jacob, Zentrum Umweltkommunikation (ZUK), Verena Exner, DBU

Interessant so eine Messe ausschließlich für Fachpublikum. Die Bilanz eines Messetages sieht etwa so aus: Es gibt im wesentlichen drei Gruppen von Besuchern:
1. zufällig vorbeikommende Besucher, die von unseren bunten Pixeln am Tresen angezogen werden und dann meist viel Interesse an den Hintergründen der ZweitSinn-Marke zeigen. Diese Besucher verlassen den Stand meist mit Prospektmaterial und einem Lächeln im Gesicht,
2. Fachbesucher, die vor allem „an Zahlen“ interessiert sind. Ist ZweitSinn noch ein Projekt? Wird es noch bezuschusst? Wer arbeitet im Netzwerk mit? Findet man für die Recyclingprodukte Kunden? Wo bekommen Sie die Ideen her? Den meisten Besuchern dieser Gruppe steht ein Unverständnis darüber im Gesicht, dass es Möbelkunden gibt, die Möbel kaufen, denen man ansieht, dass sie aus gebrauchten Rohstoffen hergestellt sind. (Kopfschütteln, „dass man damit Geld machen kann?“). Wir freuen uns über die Unsicherheit in den Blicken – es sind die Fans von morgen!
3. MitarbeiterInnen von Marketingbüros, die die Messe als Akquiseplattform nutzen und uns kreative Angebote ankündigen. Wir sind gespannt!

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ZweitSinn auf der ENTSORGA/ENTECO 2009

Posted by Werner Baumann - 20 Oktober, 2009

Entsorga/Entego

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück hat einige Projekte eingeladen sich auf der Entsorga/Enteco in Köln vom 27.10. bis 30.10.2009 auf einem Gemeinschaftsstand zu präsentieren. Dabei sein wird auch das Bauteilnetz Deutschland, ein Projekt, das sich um die Weiterverwendung von Bauteilen aller Art (Fenster, Türen, Badeinrichtungen, Böden usw.) kümmert.

ZweitSinn wird mit einigen Top-Produkten vertreten sein (Pixelstar, Regal Frank, ExIKEA), die zeigen, dass erhebliche Abfallmengenreduktionen durch das Recycling auch mit einfachsten Materialien (Holzwerkstoffplatten) möglich sind. Ausschlaggebend ist das clevere Design der Fertigprodukte, das in keinem Fall hinter dem von Neuprodukten zurückstehen darf. Eines der Probleme: zu wenig Designer befassen sich mit dem Thema. Es ist eben elegant mit neuen Materialien schwungvolle Zukunftsentwürfe vorzulegen. Kommt man von der anderen Seite – also von der, der vorhandenen gebrauchten Rohstoffe – ist es sehr viel anspruchsvoller damit ein überraschendes Produkt zu entwerfen. Nachhaltigkeit ist nicht einfach und deshalb freuen wir uns, gleich drei Hochschulen mit Designstudiengängen für die Idee gewonnen zu haben:

  • Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur
  • Akademie Gestaltung im Handwerk Münster
  • Kunsthochschule Kassel, Industriedesign

Mit ihnen sind wir in die nächste Stufe des Recyclingdesigns eingestiegen und arbeiten derzeit an der Wohn-Vision-2020. Demnächst kommt dazu mehr.

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ZweitSinn auf der Internationale Möbelmesse imm-cologne in Köln

Posted by Werner Baumann - 25 Januar, 2009


Wie schon im letzten Jahr zeigte ZweitSinn seine Ideen und Produkte auf der imm vom 19. Bis 25. Januar 2009.

Unser Konzept soll die Idee von ZweitSinn plastisch rüberbringen. Wir haben einen Abfallcontainer auf die Ausstellungsfläche gestellt, lassen Altmöbel oben „reinfliegen“ und haben im Container einen Raum mit ZweitSinn-Möbeln eingerichtet. Unser Designer Oliver Schübbe von der Recyclingbörse Herford hatte die Idee.

ZweitSinn-Stand auf der imm-cologne 2009

ZweitSinn-Stand auf der imm-cologne 2009

Besucherandrang am 20.01.2009

Besucherandrang am 20.01.2009

Frau Exner (DBU) im Gespräch mit den kollegen der RecyclingBörse! Herford

Frau Exner (DBU) im Gespräch mit den Kollegen der RecyclingBörse! Herford

Die "Pixeltheke" von ZweitSinn

Die "Pixeltheke" von ZweitSinn

imm-cologne 2009 ZweitSinn, Halle 3.1, Stand U-041, 19. bis 25.01.2009

imm-cologne 2009 ZweitSinn, Halle 3.1, Stand U-041, 19. bis 25.01.2009

Die "Pixeltheke" von ZweitSinn. Entwurf Oliver Schübbe

Die "Pixeltheke" von ZweitSinn. Entwurf Oliver Schübbe

"ZweitSinn-Wohnambiente" - Design aus gebrauchten Rohstoffen

"ZweitSinn-Wohnambiente" - Design aus gebrauchten Rohstoffen

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Ist ZweitSinn ein LOHAS-Projekt?

Posted by Werner Baumann - 14 November, 2008

LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability/Lebensstil auf Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit) ist ein junges Phänomen, das aus den USA zu uns kommt.

Wikipedia sagt zu LOHAS folgendes: „Der Begriff LOHAS ist umstritten, da manchen Kritikern die Verknüpfung von bewusstem, oft hochwertigem Konsum mit Nachhaltigkeit zweifelhaft erscheint. Einige Vertreter der traditionellen Umweltbewegung sehen darin den Versuch, dem Konsumismus (übersteigertes Konsumverhalten, Anm. d.S.) ein neues, zeitgeisttypisches Image zu geben. Andere dagegen loben die neue Macht von „Moralisten“. Er sieht einen gut vernetzten, globalen Trend, der durch bewussten Konsum und Verzicht Druck auf die Industrie ausüben könne.“

Wir – die „Macher von ZweitSinn“ sehen das sehr differenziert. Einerseits schauen wir argwöhnisch auf die einseitige Ausrichtung des amerikanischen LOHAS auf die obere Mittelschicht und die Oberschicht – also finanzkräftige Konsumenten – , andererseits begrüßen wir jede Idee, die nachhaltige und wertige Produkte, in Zeiten des Fastfood und Geiz ist Geil-Denkens, bevorzugt. Die Mütter der Nachhaltigkeit hatten drei Säulen für das Nachhaltigkeitsgebäude vorgesehen: Ökonomie und Ökologie (sicher von der LOHAS-Idee berücksichtigt), aber eben auch die soziale Säule. Letztere will eine zukunftsfähige, lebenswerte Gesellschaft erreichen, die ein faires Miteinander aller ihrer Mitglieder ermöglicht.

Unser Ziel ist es, dass bei uns sowohl Menschen einkaufen, die es sich leisten können, den Einkauf als Event – als Erlebnis – zu betrachten und das „der Lust wegen“ tun, als auch solche, die schlicht bei uns einkaufen müssen, weil sie sonst nichts Entsprechendes (hier im Sinne der Bezahlbarkeit) am Markt finden. Das heißt, dass uns Menschen aus besseren Einkommensschichten (z.B. LOHAS-Anhänger) ebenso am Herzen liegen, wie Hartz IV-Empfänger. Man rechnet allgemein mit einem „LOHAS-Potenzial“ von 12,5 Mio. Menschen. Uns liegt viel an 7,4 Mio. Hartz IV-Empfänger, an 3 Mio. Arbeitslosen, an 6 Mio. Mini- und Midi-Jobbern und z.B. an der Mehrheit der 20 Mio. Rentner, die eine Durchschnittsrente von 1.170 Euro haben. Hier geht es nicht darum, ärmere mit gut betuchten aufzurechnen, sondern um die Frage, wie es gelingen kann, Menschen mit wenig Geld, aber hohem Umweltbewußtsein die Chance zu bieten, nachhaltige Designermöbel zu kaufen?

Das ZweitSinn-Netzwerk versucht das durch gezielte Quersubvention. Wir brauchen kapitalstarke Kunden, damit wir mit deren Geld gute Möbel für weniger Betuchte anbieten können. Es versteht sich von selbst, dass wir keine Dividende zahlen oder Gewinne abschöpfen. Wir wissen, dass das eine gewagte Vision ist, denn die Tradition geht eben eher dahin, unternehmensinterne Quersubventionen zu minimieren und in solchen Fällen die Gewinnbringer zu pflegen und subventionierte Produkte rauszuschmeißen. Fair Trade kommt unseren Zielen und Gedanken am nächsten, weil die Kundin dort freiwillig bereit ist, mehr für das Produkt zu bezahlen.

Unsere Partner und wir arbeiten teilweise seit Jahren „am Markt“ – und es funktioniert. Unser Möbel-Portfolio (wir haben kein Wertpapier-Portfolio, aber das Wort ist so schön, da bot sich an, es nur des Genusses wegen zu übernehmen!) ist so gestrickt, dass jeder was finden kann. Wir haben das Glück, dass einige Kundengruppen uns gefunden haben, ohne dass wir sie umwerben mussten. In Berlin entwickelt sich derzeit ein Trend hin zu „Trash-Möbeln“, der von jungen Menschen aufgenommen wird. Man kann ruhig sehen – nein man soll sehen – dass die Möbel aus gebrauchten Materialien gemacht sind. Der Trick: die Möbel müssen qualitativ gut (wertig) sein, sie müssen vom Designer kommen und sie sollen (in ganz bescheidenem Umfang) die gesellschaftliche Fortentwicklung stützen. Bei uns stellen Langzeitarbeitslose, benachteiligte Jugendliche, Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Tischlern, Polsterern etc. die Möbel her. Wir qualifizieren, reintegrieren und kooperieren mit dem Handwerk.

Natürlich erhalten wir dafür auch Zuschüsse, was uns immer wieder als „marktverfälschend“ vorgehalten wird. Warum? Ist es nicht so, dass die Gesellschaft – also wir alle – die Reintegration benachteiligter Menschen wünscht? Wenn das gelingen soll, dann müssen diese Menschen gefragte, hochwertige, nachhaltige Produkte herstellen, für die wir Interessenten finden. Wir nennen das „erfahrene Wertschätzung“. Kommen Sie mal vorbei in einem unserer Kaufhäuser, vielleicht haben Sie das Glück dort ein Möbelstück zu finden, das als Prototyp von einem unserer Kollegen hergestellt wurde und der jetzt erfährt, dass es einen Interessenten – nämlich Sie – gibt, der sich für „sein“ Produkt interessiert. Schauen Sie in seine Augen, wenn Sie sich zum Kauf entschlossen haben und Sie werden wissen, wie es ist, wenn nach oft jahrelanger Ablehnungsodyssee die Botschaft rüber kommt: „Das hast du gut gemacht“.

Übrigends – dieses „Blitzen“ in den Augen der Menschen, die mit uns arbeiten und für die die Bürokratie die Bezeichnung „Maßnahmen“ reserviert hat, ist unser Event. Ich verspreche Ihnen, „der Kick“ hält länger an, als der z.B. von uns ebenfalls gerne gepflegte Test wertiger Weine, ökologisch, guter Lebensmittel und weiterer schöner Dinge …

Nein – LOHAS ist uns zu wenig. Wir unterstützen das auch, aber noch viel, viel mehr!

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